Die Top-5-Trend der Videoüberwachung 2022

Lesezeit: 6 Min.

26.01.2022

Ein Ausblick mit Fokus auf Spitzentechnologien von KI über Edge-Computing bis hin zur Cloud.

Die Sicherheitsbranche kann nicht auf das Jahr 2022 blicken, ohne sich zunächst noch einmal die Bedeutung des Jahres 2021 zu vergegenwärtigen: ein Jahr, das unser tägliches Leben grundlegend verändert hat – inklusive der Art, wie wir miteinander umgehen, kommunizieren und zusammenarbeiten. In Zeiten der globalen Pandemie haben die verschiedensten Organisationen ihr Geschäftsmodell neu bewertet, angefangen von der Interaktion mit Kunden bis hin zu Personalmanagement, Marketing und Vertrieb. Diese Entwicklung hat auch die Sicherheitsherausforderungen verändert. Mitarbeiter, Kunden und Partner arbeiten zunehmend an unterschiedlichen Standorten und tauschen sich über verschiedene Online-Netzwerke aus, wodurch die Daten anfällig für Diebstahl werden. Da Standorte zudem aus der Ferne überwacht werden, ergeben sich daraus neue Richtlinien für öffentliche Gesundheit und Sicherheit.

Im Folgenden haben wir die Trends zusammengefasst, von denen wir glauben, dass sie unsere Branche im Jahr 2022 maßgeblich beeinflussen werden:

  1. KI-Edge-Computing/Analytik: Zunehmende Verfügbarkeit von Daten und deren Analysen sind Wachstumstreiber

Überwachungs- und Sicherheitslösungen beinhalten zunehmend On-Board-Analysen, die Daten für einen intelligenten Schutz liefern. Diese Rolle der On-Board-Analytik wird im Jahr 2022 und darüber hinaus weiter deutlich an Bedeutung gewinnen, da Kunden Edge Computing und KI kombinieren, um so immer effizientere Lösungen zu erreichen. Eine Analyse der Linux Foundation prognostiziert, dass die gesamte globale Edge-Computing-Infrastruktur bis 2028 einen Wert von mehr als 800 Milliarden US-Dollar erreichen wird. Der Einsatz von KI im Edge-Bereich, insbesondere durch Analysen auf der Grundlage von Deep-Learning-Algorithmen, wird die Basis für eine Vielzahl „smarter“ Überwachungs-Anwendungen sein. Dazu gehören die Erkennung und Klassifizierung von Objekten sowie die Erfassung von Attributen in Form von Metadaten – und das alles bei gleichzeitiger Verringerung der Latenzzeit und der Anforderungen an die Systembandbreite. Dazu kommt die Möglichkeit, Daten in Echtzeit zu erfassen und Situationen zu überwachen.

KI und Edge Computing werden die Effizienz von Netzwerk-Videoüberwachungssystemen außerdem verbessern, indem sie Analysen (wie beispielsweise Erkennung von Objekten, unautorisierte Aufenthalte, Überschreiten virtueller Linien und Bereiche) zur Überwachung unterschiedlichster Bereiche und Situation verwenden. Durch den Einsatz von Kameras werden KI und Edge Computing in allen vertikalen Sektoren möglich. Nutzer können so eine präventive Erkennung einsetzen und sich nicht länger nur auf reaktive Überwachung verlassen, was die Sicherheit und Effizienz erhöht.

2.KI-basierte bildverarbeitungsbasierte Überwachungssysteme

Netzwerk-Videoüberwachungssysteme entwickeln sich immer mehr von einfachen Überwachungsgeräten zu ganzheitlichen Lösungen, die in allen Branchen und Märkten Verwendung finden können. Entscheidend dafür ist die KI-Technologie, die auf allen Ebenen in die Systeme integriert wird – ein Trend, der massiv zunehmen wird. Die Branchenanalysten von All the research schätzen, dass der globale KI-basierte Überwachungs- und Sicherheitsmarkt bereits 2023 ein Volumen von 4,46 Milliarden US-Dollar erreichen wird.  „AI-Vision“-Lösungen mit KI-Kameras als Vision-Sensoren liefern wichtige Daten, die Unternehmen ein besseres Verständnis für das Kundenverhalten und eigene Prozesse verschaffen. Wärmebildkameras und Kameras zur Körpertemperaturerkennung an öffentlichen Eingängen und in Lobbybereichen nutzen kantenbasierte KI-Algorithmen, um nicht-menschliche Wärmequellen zu ignorieren und Fehlalarme zu reduzieren. Cloudbasierte Lösungen verwenden Algorithmen zur Personenzählung, um den stationären Handel bei der Bewertung von Marketingaktionen und Marktlayout zu unterstützen oder Heatmapping zur Vermeidung langer Kassenschlangen, um damit die Kundenzufriedenheit zu verbessern. Ähnliche Lösungen sind möglich für das Verkehrsmanagement, intelligente Parksysteme, Logistik und Vertrieb oder für die Überwachung kritischer Bereiche im Gesundheitswesen. Unternehmen können ihre Sicherheitsmechanismen automatisieren, inklusive der Planung und Umsetzung entsprechender Reaktionen.

  1. Zunehmende Verbreitung des „As a service“-Modells

Videoüberwachung oder Zugangskontrolle „as a Service“ sind Begriffe, die immer häufiger in der Sicherheitsbranche zu hören sind. Doch was genau steckt hinter den Bezeichnungen und welche Vorteile bieten „As-a-Service“-Geschäftsmodelle? Mit der Weiterentwicklung und zunehmender Reife von cloudbasierten Diensten können sich Hersteller von Videoüberwachungssystemen heute als Anbieter von „Solution as a Service“ positionieren. Designer und Integratoren von Videoüberwachungssystemen sind nun in der Lage, ihren Kunden Lösungen über cloudbasierte Plattformen anzubieten und dieses Modell auf alle Unternehmensbereiche auszuweiten. Der weltweite Markt für öffentliche Cloud-Anwendungsdienste wird bis 2022 ein Milliardenvolumen erreichen. Unternehmen können profitieren, indem sie Anwendungen, Infrastruktur und Geschäftsprozesse in einem kombinierten „as-a-Service“-Angebot zusammenfassen. So sind sie jederzeit in der Lage, kurzfristig auf die sich rasch ändernden Marktbedingungen zu reagieren, neue Produkte und Dienstleistungen schneller auf den Markt zu bringen und die Vorteile fortschrittlicher Analysen zu nutzen, um eigene Prozesse zu optimieren – all dies bedeutet klare Wettbewerbsvorteile.Unternehmen können künftig ihre Lösungen deutlich besser individualisieren und auf die Kundenbedürfnisse zuschneiden. „As a Service“ bedeutet Skalierbarkeit und Kosteneffizienz, da das Modell die Investitionsausgaben durch das  Abonnement-Prinzip deutlich reduziert.

Überträgt man das Prinzip auf Videoüberwachung, führt dies zu einem „VSaaS“-Modell. Dieses ermöglicht Nutzern beispielsweise cloudbasierte Aufzeichnungen ohne lokale Server und führt zu einer schnelleren Systemeinführung ohne komplexe und zeitaufwändige Netzwerkkonfigurationen. Kameras und andere Hardware lassen sich zentral überwachen, viele Netzwerk- und Systemprozesse können automatisiert werden.

  1. Ein verantwortungsvoller und ethischer Einsatz von Technologie wird immer wichtiger

Mit dem Einzug der Digitalisierung in die Unternehmen hat das Management über Remote-Lösungen deutlich zugenommen. Gleichzeitig generieren die Systeme deutlich mehr Daten und damit Informationen, die einen hohen Nutzen mit sich bringen. Für viele Unternehmen war dies ein tiefgreifender Wandel. Wenn jedoch immer mehr Prozesse online ablaufen, aus der Ferne verwaltet werden und in die Cloud ausgelagert werden, müssen Unternehmen verlässliche Cybersicherheitsstrategien etablieren, um die wertvollen Daten zu schützen. Laut Interpol haben Cyberangriffe während der Pandemie dramatisch zugenommen, sei es durch Phishing, Online-Betrug und Malware wie Distributed Denial of Service (DDoS). Infolgedessen sind sich Unternehmen zunehmend ihrer Verantwortung für den Datenschutz im Rahmen von Maßnahmen wie der Datenschutzverordnung (DSGVO) bewusst und suchen nach Lieferanten und Partnern, die entsprechende Vorschriften verstehen und dazu beitragen, ihre Daten abzusichern.

Obwohl es sich um eine US-amerikanische Initiative handelt, spielt zudem auch der National Defense Authorization Act (NDAA) für viele europäische Unternehmen eine große Rolle. Die Sorge um die nationale Sicherheit ist nicht nur auf die USA beschränkt, auch europäische Regierungen zeigen Tendenzen zu härteren Vorgaben. Daher müssen Hersteller bei Ausschreibungen – insbesondere im Regierungssektor oder im internationalen Handel – die entsprechenden Vorschriften in ihren Betrieben und Produkten strikt umsetzen, wenn sie neue Aufträge erhalten wollen.

  1. Die Integration von Technologien wird zunehmen

Netzwerktechnologie und das Internet der Dinge (IoT) sind bereits weit verbreitet, aber sie werden den Markt für Sicherheitskameras künftig noch stärker verändern. Sie ermöglichen Fortschritte beim HD-Videostreaming, gerade auch auf mobilen Geräten. Technologie wird zudem die Anwendungsmöglichkeiten für Audio- und Videoanalyse und KI in einer zunehmend vernetzten Welt erweitern. Die Schlüsseltechnologien, die diesen Wandel vorantreiben, sind das Internet der Dinge (IoT), Netzwerke sowie Cloud Computing, Intelligent Data und KI. Gerade mit Hinblick auf Bandbreite und Latenzzeit werden sich Entwicklungen in der Netzwerktechnologie positiv auf das IoT auswirken. Die Erweiterung von Kameras mit fortschrittlicher Netzwerktechnologie unterstützt die Videoüberwachung in Echtzeit, den erweiterten Einsatz mobiler Anwendungen und die Verwaltung älterer Netzwerke. Das KI-basierte Internet der Dinge (AIoT) eröffnet nahezu unbegrenzte Möglichkeiten, von offenen und integrierten Systemen/Plattformen bis hin zu einer erweiterten Gerätekonnektivität.

Zusammengefasst: 2022 werden wir Weiterentwicklungen von Technologien wie KI sehen, die Nutzern einen größeren Mehrwert bieten, was wiederum neue Möglichkeiten für  Partner und Systemintegratoren schafft. Und da KI zunehmend auf der Kamera selbst eingesetzt wird, werden die Vorteile der Technologie ein viel breiteres Publikum erreichen und den Sicherheitsmarkt verändern.

http://www.hanwha-security.eu/de

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Über den Autor: Uri Gutermann

Head of Product & Marketing at Hanwha Techwin Europe